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Regierung soll ins »Haus der Räte« umziehen

Statt Wiederaufbau des Königsberger Schlosses: Gouverneur Anton Alichanow will die sowjetische Bauruine fertigstellen lassen
Haus der Räte: Das Relikt aus der Sowjetzeit soll nun mit Leben gefüllt werden Bild: J.T.

Das lange währende Thema „Haus der Räte“ oder „Königsberger Schloss“ ist wieder aktuell. Dieses Mal ist vom Wiederaufbau des Schlosses und anderer historischer Bauten keine Rede mehr. Stattdessen soll die Regierung des Königsberger Gebiets in das noch halb- fertige Hochhaus umziehen.

Gouverneur Anton Alichanow scheint mehr und mehr von der Idee einer Nutzung des in der  Sowjetzeit begonnenen und nie fertiggestellten Hauses der Räte beseelt zu sein, das an der Stelle gebaut wurde, wo sich einst das Königsberger Schloss befand.
Vor Kurzem hat Alichanow angekündigt, dass die Regierung das Haus der Räte im kommenden Jahr kaufen wolle und die Beamten der Regierung dorthin umziehen würden. Vor zwei Jahren schon hatte der Gouverneur gesagt, dass „das Haus der Räte genutzt werden sollte. Es ist ein Denkmal der sowjetischen Architektur.“ Die Behörden des Königsberger Gebiets erwägen nun, einem Invetor die Gebäude der Regionalregierung und der Verwaltung der Stadt zur Nutzung  zu überlassen im Austausch für die Fertigstellung des Hauses der Räte. Die Höhe der Kosten für den Umzug der Regierung wurde noch nicht genannt. Zunächst müssen eine umfassende Untersuchung des aktuellen Zustands des sowjetischen Architekturdenkmals durchgeführt und die Kosten für die Installation der Haustechnik unter Berücksichtigung moderner Anforderungen geschätzt werden. Bekannt ist nur, dass das Hochhaus zumindest nicht baufällig ist und von daher zu Ende gebaut werden kann. Laut Alichanow kann man das Gebäude für den Umzug der Gebietsregierung innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre fertigstellen. Was das Schicksal der Gebäude der Stadtverwaltung am Hansaplatz und der Gebietsregierung in der Alten Pillauer Landstraße angeht, so könnten diese künftig als Büros oder Hotels genutzt werden. Beide Häuser stehen unter Denkmalschutz, sodass die Möglichkeit zu äußeren Veränderungen äußerst begrenzt ist.
Die Gebietsregierung plant, 85 Prozent des Hauses der Räte, das sich zurzeit in privater Hand befindet, für umgerechnet knapp vier Millionen Euro zu erwerben. Darüber hinaus will man aus dem laufenden Haushalt 522000 Euro für das Haus der Räte lockermachen. Es wird erwartet, dass die Königsberger Gesellschaft für die Entwicklung des Gebiets, die von der Regionalregierung gegründet wurde, als Erwerber des Hauses auftreten wird.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Regierung des Königsberger Gebiets das Grundstück, auf dem sich das Haus der Räte befindet, übernommen. Darüber hinaus hat die Stadt Königsberg der Gebietsregierung ihren Eigneranteil am Haus der Räte übergeben. Damals sagte der ehemalige Bürgermeister Alexander Jaroschuk: „Es sollte nur einen Verwalter geben. Wenn es nur einen Verwalter gibt, werden diese oder jene Handlungen, die mit der Entwicklung des Geländes verbunden sind, effektiver durchgeführt. Ich meine damit den Bau des ,Herzens der Stadt‘. Schon jetzt ist klar, dass keine Bebauung im Sinne des Projekts ,Herz der Stadt‘ sichtbar ist. Stattdessen wird es immer realistischer, dass der ursprüngliche Plan des Hauses der Räte als Ort für die Regierungsorgane und der Stadtverwaltung verwirklicht wird.“
Es sei an die Entstehungsgeschichte dieses „herausragenden“ Gebäudes erinnert. Nach dem Plan der Architekten sollte das Haus der Räte 28 Etagen hoch sein, bestehend aus zwei hohen gleichschenkeligen Türmen, die durch geschlossene Übergänge miteinander verbunden sind. In dem Gebäude sollten das „Kaliningrader Gebietskomitee der Kommunistischen Partei der UdSSR“ und das regionale Gebietskomitee untergebracht werden, also Partei- und Regierungszentrale des Königsberger Gebiets.
Entworfen hatte das Rätehaus der russische Architekt Julian Schwarzbreim. Als Prototyp diente ihm das Gebäude des Nationalkongresses in der brasilianischen Hauptstadt. Die Werke von dessen Architekt Oscar Niemeyer zählten damals zu den fortschrittlichsten und architektonisch kühnsten weltweit.
Der Bau des Königsberger Symbols der Sowjetmacht begann im Jahr 1970. Da der Boden in diesem Teil der Stadt nicht fest genug für solch ein hohes Gebäude war,
mussten besondere Maßnahmen für die Stabilisierung des Fundaments unternommen werden. Das Hochhaus steht auf 1148 Stelzen und zusätzlichen Sockeln von bis zu eineinhalb Metern Dicke. Es ist fast 72 Meter hoch. In den 1980er Jahren gab es Probleme mit der Finanzierung. Deshalb wurde entschieden, die Höhe auf 21 statt 28 Stockwerke zu begrenzen.
Anfang der 1990er Jahre, als das Gebäude zu 95 Prozent fertiggestellt war, wurden die Bauarbeiten eingestellt. Im Südturm, in den die Gebietsregierung einziehen sollte, war schon Parkett verlegt und die Wände tapeziert worden.  
So ist es gut möglich, dass es Gouverneur Alichanow schließlich doch noch gelingt, die in sowje- tischer Zeit erdachten Pläne zu verwirklichen und mit der Gebietsregierung in das Haus der Räte einzuziehen.    
    Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 03.01.2019
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