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Spaß bei ostpreußischen Rezepten

AGDM veranstaltete zweitägige Kochwerkstatt in Allenstein – Ziel: Generationen miteinander verbinden
Spielerisch deutsche Vokabeln lernen: Junge Köche bei der Arbeit Bild: D. K.

Die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) hat Ende Oktober eine zweitägige Kochwerkstatt für ihre Mitglieder veranstaltet. Zielgruppe waren vor allem Kinder mit ihren Eltern.

Dass gemeinsames Kochen Generationen verbinden kann, ist keine neue Erkenntnis. In vielen deutschen Kindergärten und Grundschulen werden generationenübergreifende Arbeitskreise organisiert, bei denen die gemeinsame Zubereitung verschiedener Speisen im Mittelpunkt steht. Solche Begegnungen dienen dazu, Eltern aus der täglichen Arbeitshetze herauszureißen, Kinder aus der Unterhaltung am Computer zu locken und die Familienmitglieder zusammenzubringen.
Die AGDM hatte deswegen die Idee, ihren jüngeren und älteren Mitgliedern eine Kochwerkstatt anzubieten. Das Angebot fand Widerhall, sodass sich sehr schnell zehn Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern für das Projekt „Leckeres Generationentreffen“ anmeldeten.
Die Begegnung dauerte zwei Tage. Am ersten Tag wurden die jungen Projektteilnehmer von zwei Deutschlehrern in die Thematik der regionalen Küche eingeführt. Anhand der zahlreichen und spannenden Wortschatzübungen lernten die Kinder neue Vokabeln kennen, indem sie beispielsweise  aus einem Buchstabensalat die Bezeichnungen von Lebensmitteln zusammensetzen mussten. Aus Zeitungen und Illustrierten schnitten die kleinen Köche Bilder von verschiedenen Speisen und Leckerbissen heraus, die später für eine Collage genutzt wurden. An den mit bunten Abbildungen beklebten Kartons ließ sich später erkennen, welche Produkte die Kinder als gesund und welche als ungesund eingestuft hatten.
Darüber hinaus wurden vielfältige Bewegungsspiele durchgeführt, bei denen sich die Kinder Namen für Produkte merkten. Am zweiten Projekttag trafen sich junge Projektteilnehmer und ihre Eltern  mit Paweł Błazewicz, dem langjährigen Mitarbeiter des Museums von Ermland und Masuren in Allenstein, der aktuell in der Allensteiner Brauerei Kormoran arbeitet und außerdem ein leidenschaftlicher Koch ist.
Zunächst hielt der Referent einen spannenden Vortrag über die Essgewohnheiten verschiedener Völker, die das Gebiet Ostpreußen im Laufe der Geschichte bewohnten. Man erfuhr, dass sich die Stämme der Prußen mit Vorliebe von Wildfleisch ernährten, während sie Fische eher verschmähten.  Nach der Unterwerfung der Prußen durch den Deutschen Orden im 13. Jahrhundert veränderte sich auch die Ernährungsweise. Wie im Mittelalter typisch, aß man mehr Obst und Gemüse, Getreide- und Milchprodukte. Die Ordensbrüder mussten sich an die Regeln des Ordens halten, die nach kirchlichen Geboten auch zum Fasten verpflichteten.
Egal ob zu Zeiten der Prußen, im Mittelalter oder in der Neuzeit, eines blieb für die ostpreußische Küche unveränderlich. Die Speisen wurden vorwiegend aus frischen, lokalen Produkten zubereitet. Dazu gehörten vor allem unterschiedliche Fleischsorten, zahlreiche Getreidearten, die auf den Feldern angebaut wurden, die in der Ostsee oder im Frischen Haff gefangenen Fischarten, heimische  Früchte und Gemüsearten, Molkereiprodukte und schließlich Pilze und Waldfrüchte.
Die Kinder hörten dem Vortrag mit großem Interesse zu, antworteten auf Fragen des Referenten und stellten ihm Fragen. Anschließend wurde zum Höhepunkt der Work-shops – dem gemeinsamen Kochen – übergegangen. Die Kinder und ihre Betreuer wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die zwei typisch regionale Speisen zubereiten sollten. Angeleitet von Błazewicz, begab sich das erste Team an die Zubereitung der Brotsuppe. Laut Rezept werden Brotstücke samt Mandelflocken, Zimt, Honig, Rosinen und Nelken in einen Topf gegeben und gekocht. Obwohl das Gericht relativ leicht zuzubereiten ist, machte es auf alle großen Eindruck, denn der würzige wie auch süße Geschmack der Suppe gefiel sowohl jüngeren als auch älteren Projektteilnehmern, und die meisten kosteten diese Spezialität zum ersten Mal.
Das zweite Kochteam benötigte Kartoffeln, Eier, Schnittlauch, geräucherte Forelle, Zwiebeln und saure Gurken, um eine leckere Variante des Kartoffelsalats zu zaubern. Schließlich setzten sich die Kinder mit ihren Betreuern zusammen an den Tisch, um die zubereiteten Speisen bei gemeinsamen Gesprächen in einer gemütlichen Atmosphäre zu probieren.
Dass viele Köche den Brei verderben, hat sich nicht bestätigt, weil am Ende sowohl die Schüssel mit Kartoffelsalat als auch die Suppenterrine leer waren. Zweifellos trug die Kochwerkstatt zur Integration der Generationen bei, Kinder und Eltern hatten die Gelegenheit zum gemeinsamen Pellen, Schnippeln, Rühren und Würzen. Sie hatten viel Spaß bei diesen Kochaktivitäten. Die Projektteilnehmer waren begeistert und freuen sich auf die nächste Kochwerkstatt.
    Dawid Kazanski

Veröffentlicht am 27.12.2018
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